Highland-Herold-Umfrage 2025 – Ergebnisse Teil 2

Unsere Online-Umfrage lief vom 10. September bis zum 31. Dezember 2025. Insgesamt verzeichnete sie 865 Besuche, 328 Teilnehmerinnen und Teilnehmer füllten den Fragebogen vollständig aus. Sie gaben an, wie und wo sie Whisky trinken, welche Stile und Herkünfte gefragt sind und welche Rolle Preis, Beratung und Wissen dabei spielen.

Die Daten wurden unter Leserinnen und Lesern eines Whiskymagazins erhoben. Sie haben Aussagekraft über eine der Gruppen, die den deutschen Whiskymarkt prägen: regelmäßig konsumierende, informierte Genießerinnen und Genießer. Die Ergebnisse fasst Dennis Jäger in einer dreiteiligen Artikelserie zusammen.

Teil 1: Häufigkeit, Anlassbezug, Kategorie und Herkunft
Teil 2: Lieblingswhiskys, Trinkkultur, Kaufverhalten
Teil 3: Themenschwerpunkte, Informationsquellen, Resümee


Teil 2: Lieblingswhiskys, Trinkkultur, Kaufverhalten

Im Teil 1 der Ergebnisse zeigt sich, dass die meisten Whiskyfans gerne Single Malt aus Schottland trinken – wenig überraschend. Sie schätzen aber ebenso eine breiten Palette anderer Whisky(e)s, die sie am liebsten pur oder reduziert aus dem Nosing-Glas genießen.


Geschmacksprofile: Vielfalt statt klarer Lager

Die Antworten zur offenen Frage nach dem Lieblingswhisky zeigen ein heterogenes Bild. Insgesamt nutzten 252 Teilnehmende das Textfeld für eine Eingabe, 76 haben diese Frage übersprungen. Drei Strömungen treten besonders deutlich hervor:

– im Sherryfass gereifte Single Malts mit fruchtig-würzigem Profil
– rauchige bis torfige Stile, häufig von Islay, teils mit Port oder Sherry Finish
– im Bourbonfass gereifte, ungetorfte Single Malts aus der Speyside oder den Highlands

Auffällig ist die häufige Nennung situativer Vorlieben: Viele Befragte geben an, je nach Stimmung, Jahreszeit oder Anlass zu unterschiedlichen Stilen zu greifen. Angaben wie „abwechslungsreich“, „je nach Tagesform“ oder „mal rauchig, mal mild“ tauchen wiederholt auf.

Bestimmte Brennereien oder Marken finden sich insgesamt selten, mehrfach genannt sind Lagavulin, Laphroaig, Talisker, Aberlour, Springbank, Edradour, Glenfiddich, Bowmore und Caol Ila. Auch unabhängige Abfüller spielen eine erkennbare Rolle.

Viel öfter als Hersteller, Marken oder bestimmte Abfüllungen werden Stile, ganze Herkunftsländer oder bestimmte Regionen bevorzugt. Die Bandbreite reicht vom klassischen Blend bis zur Single-Cask-Abfüllung in Fassstärke. Eine Lagerbildung – etwa zwischen Torf- und Sherryfans – lässt sich aus den Antworten nicht ableiten.


Pur dominiert, Mixgetränke sind Randerscheinung

Bei der bevorzugten Trinkweise zeigt sich ein eindeutiges Muster: 81,3 Prozent trinken Whisky pur oder reduzieren ihn selbst mit Wasser. Der klassische Tumbler folgt mit 18,0 Prozent, on the rocks mit 12,3 Prozent. Cocktails und Longdrinks liegen mit jeweils 6,6 Prozent am unteren Ende.

Insgesamt unterstreichen die Daten, dass Whisky in Deutschland als Genussprodukt verstanden wird, das im Glas möglichst unverfälscht zur Geltung kommen soll. Mixgetränke, die in anderen Märkten – insbesondere in den USA – eine größere Rolle spielen, bleiben in dieser Umfrage eine Randerscheinung.


Einkauf in der mittleren Preisklasse

Bei den Preiskategorien zeigt sich ein klar strukturiertes Bild:

– 30 bis 60 Euro: 45,6 Prozent
– 60 bis 100 Euro: 40,5 Prozent
– bis 30 Euro: 10,4 Prozent
– über 100 Euro: 3,5 Prozent

Zusammengenommen kaufen rund 86 Prozent der Befragten Whisky regelmäßig im Bereich zwischen 30 und 100 Euro pro Flasche. Der Niedrigpreissektor unter 30 Euro spielt nur eine untergeordnete Rolle, der Premiumbereich über 100 Euro hat mit 3,5 Prozent mit Abstand den kleinsten Anteil.

Das Bild deckt sich mit dem allgemeinen Konsumverhalten: Die deutsche Whiskykundschaft ist qualitätsorientiert. Sehr günstige Abfüllungen spielten bei den Umfrageteilnehmern ebenso wenig eine Rolle wie hochpreisige Sammlerware. Im Vordergrund steht der Genusswert.


Fachhandel und Online-Shops auf Augenhöhe

Beim Einkauf zeigt sich ein typisch deutsches Muster: Beratung und Auswahl werden gleichermaßen geschätzt. Viele Befragte kombinieren mehrere Einkaufsquellen. Während Online-Shops (58,1 Prozent) vermutlich vor allem für gezielte Käufe und Spezialitäten genutzt werden, dient der Fachhandel (64,8 Prozent) sowohl der Beratung als auch der spontanen Auswahl. Der Supermarkt spielt mit knapp einem Viertel eine kleinere, aber nicht zu vernachlässigende Rolle. Der direkte Kauf bei der Brennerei (25,1 Prozent) oder im Rahmen eines Tastings (21,3 Prozent) verweisen erneut auf die Bedeutung von Reisen und persönlichen Erlebnissen im deutschen Whiskyalltag.


Über den Autor

DennisJaeger_square_210

Dennis Jäger ist seit 2002 Journalist, mit Stationen bei Radio und Tageszeitung, und heute Chefredakteur einer Fachzeitschrift für Bäder und Heizungen. Als geprüfter Destillat-Sommelier (nach Doemens) lebt er zudem seine Leidenschaft für Whisky und andere Spirituosen aus.