Proof, Proof & Proof

French Proof

Die französische Proof-Maßeinheit wurde 1824 vom Chemiker Joseph Gay-Lussac definiert. Reinen Alkohol bewertete er bei einer Flüssigkeitstemperatur von 15 °C mit 100 proof, während Wasser mit 0 proof angegeben wurde. Die Gay-Lussac-Methode entspricht also weitestgehend unserer gängigen Volumenprozent-Angabe, die für Messungen bei 20 °C gilt, und wurde deshalb im Laufe der Zeit zugunsten der Volumenprozente aufgegeben. Heutzutage spielt sie kaum mehr eine Rolle.

American Proof

Die in den USA verwendeten American proof entsprechen genau dem Zweifachen des Volumenprozent-Wertes gemessen bei einer Temperatur von 15,5 °C (beziehungsweise 60 °F). Findet man also auf dem Etikett eines Bourbon-Whiskeys die Bezeichnung „86 proof“, so steht daneben die Angabe „43 % vol“, denn der Gesetzgeber schreibt die Volumenprozent-Angabe vor, während die Proof-Angabe freiwillig ist.

Als um das Jahr 1840 in den USA die Bezeichnungen auf den Etiketten standardisiert wurden, war der Begriff „proof“ durch die vielen Einwanderer aus Europa weit verbreitet und man wollte ihn ungern aufgeben. Um die Proof-Angabe leichter mit der Volumenprozent-Angabe vergleichbar zu machen, wurde die Umrechnung 2:1 definiert. Die neue Maßeinheit wich nun von den üblicherweise von britischen und irischen Einwanderern genutzten imperial proof ab. Trotzdem konnte sie sich beim amerikanischen Konsumenten schnell etablieren, da viele Getränke im täglichen Sprachgebrauch dort lediglich mit „under proof“ (weniger als 100 proof / 50 % vol) oder „over proof“ (mehr als 100 proof) bezeichnet wurden.

Imperial Proof

Der Faktor für die Umrechnung des Volumenprozent-Wertes in die britische Proof-Einheit ist 1,75. Die 43 % vol entsprechen also 75,25 imperial proof. Betrachtet man historische Messungen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, kann man davon ausgehen, dass die gemessenen Werte für eine Temperatur von 22 °C (72 °F) galten. Messungen, die nach der Einführung legaler Standards im Jahr 1816 durchgeführt wurden, erfolgten bei 11 °C (51 °F).

Auf die traditionelle und seit 1816 vorgeschriebene Angabe in imperial proof wurde am 1. Januar 1980 im Zuge der Harmonisierung britischer Gesetzgebung mit der EU zugunsten der Angabe in Volumenprozent verzichtet. Nachdem die Proof-Angabe in Großbritannien jahrzehntelang keine große Rolle mehr spielte, nimmt ihre Verwendung auf Etiketten wieder zu. Neben der pflichtangabe des Alkoholgehalts in % vol ist dann der Proof-Wert prominenter Teil des Produktdesigns. In 100-Proof-Reihen beispielsweise haben alle Abfüllungen einen Alkoholgehalt von 57,1 % vol.


Über die Autorin

Julia Nourney hält als Fachfrau für Spirirtuosen international Fort­bildungen und Seminare und publiziert in Fachmedien. Als selbstständige Beraterin und Contract Blender arbeitet sie für Spirituosenhersteller in verschiedenen Ländern und ist Jurorin bei mehreren Wettbewerben.


Der Artikel Proof, Proof & Proof von Julia Nourney erschien ursprünglich in Ausgabe #51 (2021).