Whisky-Weltkarte als App

Der Alba-Collection Verlag ist bekannt für seine Landkarten mit darauf verzeichneten Whiskydestillerien. Die seit über 20 Jahren gesammelten Brennereidaten sind die Grundlage für die App Whisky Map, die seit Juni 2024 im Apple App Store freigeschaltet ist (nur iOS, Abo-Modell 8,99 pro Jahr, kostenlose Testphase).

Seit dem Start gab es regelmäßige Aktualisierungen, zuletzt kam Anfang Mai 2025 das Update 1.22.0. „Unsere App enthält nun insgesamt rund 7700 Einträge verteilt auf 100 Länder und ist damit vermutlich die größte Whiskydestillerie-Datenbank der Welt“, freut sich Kartograf Rudi Hirst von Alba-Collection. „Wir erweitern die Datenbank ständig, um auch die kleinsten Craft-Brennereien, jede Brewstillery und historische Standorte weltweit abzubilden.“

Digitale Landkarte

Das zentrale Element der App ist eine Weltkarte mit Ortsmarkierungen. Die Farbe der Marker gibt den Status der dortigen Brennerei an: Grüne Marker sind aktive Destillerien, rote Marker geschlossene und blaue Marker Projekte in Planung oder im Bau. Das Filtermenü grenzt bestimmte Eigenschaften ein, zum Beispiel den Status der Destillerie, den produzierten Whiskytyp oder technische Ausstattungsmerkmale.

Unter dem Filter-Button findet sich die interessante Funktion Time Machine. Diese zeigt durch erscheinende und sich verändernde Marker den Verlauf der Öffnungen und Schließungen von Destillerien. Im Zeitraffer kann man zusehen, wie sich die Brennereilandschaft in der angezeigten Region entwickelte. Oder man springt zu einem bestimmten Jahr und erhält dann eine statische Darstellung. Das Lexikon mit einer Volltextsuche in der Datenbank macht weitere Informationen zu den einzelnen Brennereien verfügbar, eine Around-Me-Funktion hilft bei der Reiseplanung.


https://www.alba-collection.de/c/app/ios-version

Der QR-Code führt zur Infoseite der App auf alba-collection.com. Dort gibt es einen Direktlink zum App Store. Whisky Map läuft zwei Monate gratis. Danach kostet die App 8,99 Euro pro Jahr. | Systemanforderungen: 8,7 MB freier Speicher | Betriebssystem iOS 17 (iPhone ab Baujahr­ 2017), iPadOS 17 (iPad ab Baujahr 2017), MacOS 14 (Mac M-Serie ab Baujahr 2020) | stabile Datenverbindung (LTE, G5 oder WLAN empfohlen)


Update: Indien

Rudi Hirst recherchiert seit einiger Zeit systematisch über die Whiskybranche Indiens. Die Ergebnisse seiner Arbeit waren bereits beim letzten App-Update der Schwerpunkt der neuen Daten. Mit Version 1.22.0 steigt die Zahl der verzeichneten indischen Destillerien von 306 auf 486. Der Datensammler erzählt, warum er seine Aufmerksamkeit gerade verstärkt auf die östliche Hälfte der Whiskywelt richtet:

„In unserer App waren 2025 schon 24 indische Malt-Whisky-Destillerien enthalten. Das war aber nicht mal annähernd deren tatsächliche Zahl. Der jährlich im Sommer veröffentlichte Brand Champions Report von The Spirit Business Journal & Forbes nennt die Whiskymarken mit den meisten verkauften Flaschen weltweit. Indische Whiskys dominieren dieses Ranking seit Jahren. Im Sommer 2025 belegten sie die ersten drei Plätze und unter den Top-25 der Welt waren insgesamt 14 indische Marken.

Im November 2025 gab dann Pernod Ricard den Verkauf der indischen Whiskymarke Imperial Blue mit allen Produktionsstätten plus Logistiknetz in Indien für 486 Millionen US-Dollar an Tilaknagar Industries bekannt. Okay, dachte ich mir, Imperial Blue mit 274,8 Millionen verkauften Flaschen im Jahr die Nummer 3 im Welt-Ranking wechselt zu einem im Whisky-Business bisher recht unbekannten Player. Interessant! Es war an der Zeit, die Whisky Map Indien in Angriff zu nehmen. Denn für einen Gesamtausstoß von mehreren Milliarden Flaschen braucht die indische Whiskyindustrie ein paar mehr Brennereien, als ich bis dahin auf dem Schirm hatte.“

Datendetektiv am Werk

„Insgeheim hatte ich gehofft eine Abkürzung zu finden oder das komplexe Thema ‚Indien und Whisky‘ eingrenzen zu können. Aber Fehlanzeige, im Gegenteil: Ich musste lernen das Thema ‚Whisky‘ komplett neu zu denken. Und mich nebenbei durch zahlreiche Definitionen, Gesetzestexte und Regelungen arbeiten. Danach konnte ich beginnen herauszufinden, welche Brennereien nach diesen Regeln entweder selbst Whisky für den indischen Markt produzieren oder als Komponente in großen indischen Blended-Whisky-Marken stecken“, berichtet Rudi Hirst.

Ergiebige Quellen bei seiner Recherche waren unter anderem die Webseiten indischer Behörden. Im Rahmen eines staatlichen Förderprogramms zur Produktion von Ethanol als Kraftstoffbestandteil für Fahrzeuge wurden hunderte Produktionsstätten beantragt und gebaut. Durch strenge Umweltgesetze müssen die Projekte transparent dokumentiert werden und durch die Teilnahme am Förderprogramm sind die Standorte und technische Informationen zu den Anlagen öffentlich einsehbar.

„Es gibt reichlich Brennereien, die rein technisch dazu in der Lage wären, Getreide so zu verarbeiten, dass am Ende Whisky dabei herauskommt. Die meisten sind mit Kolonnen im Industriemaßstab ausgerüstet und könnten riesige Mengen Grain Spirit ausstoßen. Aber ich fand auch über 70 Pot-Still-Anlagen, die so gebaut oder geplant sind, dass sie die EU-Anforderungen erfüllen würden. […]

Bei Destillerien, die Grain Spirit oder Malt Spirit oder beides herstellen können, habe ich dann danach gesucht, ob ihre Destillate irgendwo als Teil einer indischen Whiskymarke genannt sind. Manchmal geben sie es direkt auf der eigenen Webseite an, falls sie eine haben. Manchmal steht es in Presseberichten über die Marken oder auf der Marken-Homepage. Ein anderer Weg ist, die Kanäle der großen Konzerne zu durchsuchen, nach ihren verschiedenen Brennereien und den Marken, die dort produziert werden. Bei Lohnabfüllern oder Abfüllbetrieben in Konzernbesitz gibt es auch die Chance auf Markenlisten und die zuliefernden Brennereien. […]

Handelsregister und Branchenverzeichnisse sind ebenfalls hilfreich, aber da ist nicht immer gleich zu sehen, ob es um Destillerien geht oder um Firmen, die nur mit Whisky oder Spirituosen handeln. Außerdem ist oft ein Firmensitz in einer Großstadt eingetragen, nicht der Standort der Brennerei. Das bedeutet dann weitersuchen, um die eigentliche Produktionsstätte zu finden.“

Die Einträge in der Whisky Map sind das Ergebnis einer langwierigen Auswertung öffentlich verfügbarer Daten. Der erste Schritt, nämlich das Sammeln von Hinweisen auf eine Brennerei, die möglicherweise Whisky herstellt, geht dank moderner KI-Funktionen der großen Suchmaschinen schnell. Andererseits ist die Anzahl der Hinweise dadurch sehr hoch. Die eigentliche Arbeit ist die Überprüfung dieser Hinweise. Neben der Suche nach Angaben der Firmen selbst oder in der Presse, ist der Abgleichen mit Satellitenbildern und Straßenkarten zentraler Teil der Arbeit. Die Suchroutinen Hunderte Mal durchzuspielen, braucht viel Zeit und Ausdauer. Entsprechend fließen die Ergebnisse in mehreren Updates nach und nach in die Datenbank der App.


Mehr zum Thema: Um den indischen Whiskymarkt allgemein sowie den Werdegang von zwei der exportierenden Whiskybrennereien des Landes geht es in den Artikeln Paul P. John – Entrepreneur, Distiller, Ambassador in Ausgabe #36 (2017) und Indian Whisky. Amrut. Ein Diamant. in Ausgabe #32 (2016).